Pankow (Weißensee)

Berliner Allee 251 / Liebermannstraße 41, 43

Architektur von Ernst und Günther Paulus

 

Das Eckhaus in der Berliner Allee 251, Liebermannstraße 41, 43 wurde von den Architekten Ernst und Günther Paulus geplant, im Jahre 1930 verwirklicht und schließt sich an die Blockrandbebauung der Berliner Allee und der Liebermannstraße an, die damals noch den Namen Franz-Joseph-Straße trug.
Das vier- bis teilweise fünfgeschossige Gebäude mit drei Aufgängen hat 30 Wohnungen. Hälftig werden jeweils 1,5- bis 2-Zimmer-Wohnungen und 2,5- bis 3-Zimmer-Wohnungen angeboten. Diese wurden nach der Rückübertragung auf die GeWoSüd ab dem Jahr 1992 grundlegend instandgesetzt. Alle Wohnungen sind gut geschnitten. Das spiegelt sich auch in einer guten Bewohnermischung aus Singles, Familien mit Kindern und Senioren wider.

 

Häuser von Vater und Sohn

 

In der Tat stehen die beiden Paulus­-Häuser der GeWoSüd nicht in der Liste der Hauptwerke. Ernst Paulus, Jahrgang 1868, begann seine Laufbahn im Berliner Architekturbüro Grisebach und Dinklage. Von Grisebach bekannt ist die verschnörkelte Villa in der Fasanenstraße, in der sich heute das Kollwitz­-Museum befindet. Ernst Paulus lernte hier das Geschäft des Villenbaus für die oberen Tausend des Kaiserreichs. An Schlössern in Klink bei Waren und in Göhren-­Lebbin war er beteiligt. 1901 zog sich Grisebach zurück und Paulus wurde Partner von Dinklage.

 

Nun wurden Kirchen gebaut, jedes Jahr eine. Günther Paulus wurde 1898 geboren und war wohl von Kleinkind­heit an den großen Maßstab gewöhnt, in dem sein Vater baute. Er studierte in Berlin und Darmstadt, kam mit dem Werkbund in Berührung, die „neue Sachlichkeit“ war dort das Thema. So promovierte Günther Paulus unverfänglich über „architektonische Gestaltungsmittel der Gartenanlagen zwischen Rhein und Main“. 1924 wurde er Partner im Büro seines Vaters.

 

Neben verschiedenen Landhaus-­ und Villenaufträgen in Hinterpommern und Brandenburg realisierten Vater und Sohn eine Reihe von großen Mietshäusern in Berlin, darunter die beiden Häuser der GeWoSüd. In dieser Zeit entstanden auch drei Anlagen und Bauten, die bis heute das Stadtbild prägen: 1925 /26 mit Barock anmutender Fassade die Gebäude der Großhandels­ und Lagerei­-Berufsgenossenschaft in der Bundesallee 57 – 58, 1928 /29 die Kreuzkirche am Hohenzollerndamm und von 1928 bis 1931 die „Künstlerkolonie Berlin“ am Südwestkorso.

 

Beauftragt wurde das Büro Paulus & Paulus von der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger (GDBA) und dem Schutzverband deutscher Schriftsteller. Schnell wurde die Künstlerkolonie zu einer Heimat vorwiegend linker Intellektueller und Künstler. Die Bewohner der Künstler­kolonie, die überwiegend mit der SPD und der KPD sympathisierten, stellten einen „roten Block“ inmitten eines national­konservativ und nationalsozialistisch geprägten Umfeldes dar. Am 15. März 1933 wurde die Kolonie von Polizei und SA umstellt, zahlreiche Wohnungen wurden aufgebrochen und viele Bewohner verhaftet. Literatur, die als links eingeschätzt wurde, kam auf dem benachbarten Laubenheimer Platz auf den Scheiterhaufen. Zahlreiche Bewohner der Künstlerkolonie, wie Ernst Bloch, Ernst Busch, Walter Hasenclever, Alfred Kantorowicz, Arthur Koestler, Susanne und Wolfgang Leonhard verließen in den folgenden Wochen Deutschland.

 

Vater und Sohn Paulus hatten bereits 1932 die „Pflug und Egge“ Landsiedlungsgesellschaft gegründet und bauten in Mecklenburg-­Vorpommern insgesamt 156 so genannte „Reichserbbauernhöfe“. „In elf Dörfern hinterließen sie eine Spur der Steine“, schrieb die Regionalzeitung Nordkurier.

1935 starb Ernst Paulus in Berlin. Mit Kriegsbeginn 1939 wurde Günther Paulus eingezogen.

Nach dem Krieg wanderte Günther Paulus nach Brasilien aus, wo die Familie seiner Frau seit dem 19. Jahr­hundert lebte. Dort baute er Hochhäuser, Wohnhäuser und immer wieder Kirchen.

Günther Paulus starb 1976 in Tegernsee.

 

(Mehr Infos mit Bildern zur Bebauung und zur Grünanlage)

 

 

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