Steglitz-Zehlendorf

Am Eichgarten 7 – 12 / Stindestraße 35 – 41

Häuser mit dem Ausdruck von Lebensfreude

von Jacobus Goettel und Alfred Wiener mit Dachaufbauten von Carlos Zwick

 

Goettel und Wiener entwarfen eine Bauform, die zum Stadtpark hin einen offenen Hof bildete und „Am Eichgarten“ winkelförmig zurück gesetzt wurde, so dass auch hier eine begrünte Vorzone entstand. Die Gestaltung der Bebauung war auch durch Bruno Taut inspiriert und stellte einen Beitrag zum „Neuen Bauen“ dar. Auffallend waren die farbigen, horizontalen Bänder zwischen den Fenstern, wodurch die Fassade eine starke grafische Betonung erhielt.

 

Im Krieg wurden Gebäudeteile zerstört und teilweise im Zuge des Wiederaufbaus 1954 komplett neu errichtet.
Der verwendete graue Rauputz ließ die Häuser schlicht aussehen. Ab 2002 wurde die Wohnanlage umfassend modernisiert. Nach den ursprünglichen Plänen wurden Gliederung und Farbgebung der Fassade wiederhergestellt.

 

Mit einer Dachaufstockung entstanden ab 2003 zusätzlich 17 Dachgeschosswohnungen mit Studio und Dachgarten durch den Berliner Architekten Carlos Zwick.

 

 

Jacobus Goettel (1886 -?), der aus Stuttgart stammende Architekt, hatte 1912 die Gartenstadt Oberesslingen, eine Wohnsiedlung im Osten von Esslingen, sowie 1914 die Gartenstadt Kleinhohenheim bei Stuttgart entworfen.

 

Ab den 1920er Jahren arbeitete er in Berlin für eine Reihe von Wohnungsgenossenschaften und realisierte stadtweit Wohnsiedlungen im Stil des „Neuen Bauens“. Das Charakteristische des „Neuen Bauens“ waren klar gegliederte Sachlichkeit und kalkulierter Funktionalismus. Das Wohnen sollte zweckmäßig, gesund, mit viel Licht und Grün sowie bezahlbar sein. So sollte die Lebensqualität vor allem der wenig verdienenden Schichten der Bevölkerung nachhaltig verbessert werden. Die Grundrisse der Wohnanlagen glichen sich: zwei bis drei Zimmer, Wohnküche und Bad. Zentralheizung und begrünte, parkähnlich angelegte Innenhöfe erhöhten die Wohnqualität.

 

 

Alfred Wiener

Zusammen mit den Architekten Dr. Alfred Wiener (1885 - 1977) und Werner Berndt realisierte Goettel auch 1930 die GeWoSüd-Wohnanlage Weißensee in der Jacobsohnstraße, Pistoriusstraße und Seidenberger Straße.

 

Als Büro „Wiener und Jaretzki“ entwickelte er mit dem Architekten Hans Sigmund Jaretzki (1890 - 1956) zusammen weitere Projekte in Berlin, darunter „Moderne Ladenbauten, Außen- und Innenarchitektur“. Jaretzki bekam 1933 Berufsverbot und emigrierte nach England, wo er weiterarbeitete.

 

Alfred Wiener war von 1913 - 1928 Mitglied im Deutschen Werkbund (DWB), im Architekten- und Ingenieur- Verein zu Berlin e. V. (AIV) seit 1919 und im Bund Deutscher Architekten (BDA). Auch sein Kollege Goettel war von 1919 - 1925 als Mitglied im Deutschen Werkbund aktiv.

 

Sowohl von Jacobus Goettel als auch von Alfred Wiener verlieren sich die Spuren in den 1930er Jahren. Sie tauchen nicht mehr in den Listen der Berufsverbände auf, was wohl bedeutet, dass auch sie mit Berufsverbot belegt worden waren, wenn sie nicht vorher emigrierten. Dies war Alfred Wiener geglückt. Das Archiv des Jüdischen Museums, welches Lebensspuren von Emigranten dokumentiert, verzeichnet zwar das Ableben des am 9. August 1885 in Berlin geborenen Dr. Alfred Wiener im Jahre 1977 in Tel Aviv, aber keine weiteren Bauwerke. Von Jacobus Goettel gibt es nicht einmal ein Sterbedatum.

 

 

Carlos Zwick

Der Architekt Carlos Zwick (geb. 1951) studierte – nach einer Lehre als Schreiner in Sonthofen – Architektur und Städtebau in München und Berlin. Seit den 1980er Jahren realisierte Zwick Projekte in Berlin und im Allgäu, arbeitete in verschiedenen Büros und als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Berlin, bis er 1989 sein eigenes Büro gründete. Zwick spezialisierte sich auf Dachgeschossaus- und aufbauten und realisierte u. a. für die GeWoSüd Dachaufbauten in der Wohnanlage Weißensee und in der Suttnerstraße im Lindenhof.

 

(Mehr Infos mit Bildern zu den Häusern und den Grünanlagen)

 

 

 

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