Fennstraße 18 – 22A

Architektur von Mebes und Emmerich

 

Sieben Hausnummern umfasst die Anlage mit 65 Woh­nungen in Treptow­-Niederschöneweide, die 1927/28 nach Plänen von Paul Mebes und Paul Emmerich gebaut wurde. Was sie auf den ersten Blick von den typischen Berliner Mietshäusern unterscheidet, ist die Unterbrechung der Straßenfront durch einen großzügigen Eingangshof. So gibt es keinen weniger wertigen Hinterhof oder versteckte Seitenflügel. Das dreigeschossige Gebäude wird von einem Flachdach gedeckt, unter dem sich ein begehbarer Dachboden befindet. Typisch für die Bauten sind die kleinen, schartenartigen Fensteröffnungen unter der Dachkante. Mebes und Emmerich zählte um die Entstehungszeit der Gebäude in der Fennstraße zu den am meisten mit Wohnungsbau für gemeinnützige Gesellschaften und Genossenschaften beschäftigten Büros in Berlin.

 

Der 1872 in Magdeburg geborene Paul Mebes absolvierte eine praktische Ausbildung als Tischler, studierte dann an der Technischen Hochschule Braunschweig und der Technischen Hochschule Charlottenburg. Nach dem Staats­examen arbeitete er zunächst als Assessor in der öffentlichen Bauverwaltung. Bereits ab 1902 war Mebes für den Beamten-Wohnungs-Verein zu Berlin eG tätig.
1908 hatte Mebes seine architektonischen Grundge­danken publiziert: „Um 1800 – Architektur und Handwerk im letzten Jahrhundert ihrer traditionellen Entwicklung“ gaben umfassendes Anschauungsmaterial für die seiner Meinung nach vorbildhafte Baukunst der Zeit um 1800, der letzten historischen Epoche, die noch im Handwerk wurzelte und eine eigenständige, einheitliche Ausdrucks­weise besäße. An die damals formulierten Qualitäten – Bescheidenheit, Sachlichkeit, Volkstümlichkeit, Allgemeinverständnis, Gefühl und Anstand – gelte es wieder anzuknüpfen.

 

Von 1909 bis 1919 fungierte er nebenamtlich als „hochbautechnischer Vorstand“ der Genossenschaft. Mebes’ Entwürfe fanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts im europäischen Wohnungs-­ und Städtebau große Beachtung. Er gehörte zu den Vorreitern der offenen Wohnsiedlungen vor dem Ersten Weltkrieg. Die bis dahin vorherrschende Blockrandbebauung mit Hinterhäusern lehnte er vehement ab.

 

Ab 1911 führte er zusammen mit seinem 1876 in Berlin geborenen Schwager Paul Emmerich das Architekturbüro Mebes und Emmerich, das sich hauptsächlich dem Sied­lungsbau widmete. Aus diesem Büro stammen aber auch Entwürfe für andere Bauten, darunter Schulen und Verwal­tungsgebäude. Der Umbau von Schinkels Altem Museum stand früh in der Referenzliste, dann die Schadow-Schule in Zehlendorf oder 1937 die Repräsentanz der Krupp AG im Tiergarten, das heutige Canisius-Kolleg.

 

1931 wurde Mebes Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, am 15. Mai 1933 legte er diese Mitgliedschaft nieder. 1938 starb Paul Mebes. Sein Ehrengrab befindet sich auf dem Friedhof Berlin­-Zehlendorf. Zu seinen Ehren wurde der „Paul-­Mebes­-Park“ an der Potsdamer Straße, Ecke Fischer-Dieskau-Weg in Berlin­-Zehlendorf benannt.

Paul Emmerich führte das Büro unter dem gemein­samen Namen weiter. Paul Emmerich starb 1958.

 

 (Mehr Infos mit Bildern zum Standort)

 

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